Dampflokomotiven

Die Waldeisenbahn Muskau war bis zu ihrer Betriebseinstellung im Jahr 1978 eine reine Industriebahn mit Güterverkehr und wurde ausschließlich mit Dampflokomotiven betrieben. Lediglich für Rangierzwecke kamen auf vereinzelten Anschlussgleisen Feldbahndieselloks zum Einsatz.

Im Zeitraum zwischen 1896 und 1978 wurden mindestens 19 verschiedene Dampfloks bei der WEM eingesetzt, von denen heute noch 8 Stück bei anderen Museumsbahnen oder Museen im In- und Ausland der Nachwelt erhalten blieben. Die Lokomotiven 99 3312  und 99 3317 sind heute noch, oder besser gesagt wieder, auf den Strecken der Waldeisenbahn Muskau zu sehen. Mit Hilfe von Fördermitteln, der Unterstützung durch Firmen der Region, vor allem aber durch Spenden von Eisenbahnfreunden war eine betriebsfähige Aufarbeitung der beiden WEM-Loks in den Ausbesserungswerken Görlitz bzw. Meiningen der DB AG möglich. Beide Maschinen werden als besondere Attraktion an bestimmten Tagen im Jahr vor Personen- und Museumszügen eingesetzt.

Nach 36 Jahren kehrte am 04.10.2013 die Brigadelok 99 3315 wieder zur Waldeisenbahn Muskau zurück. Von 1922 bis 1977 war sie eine der Stammloks der WEM, bis sie dann bei der Dampf-Kleinbahn Mühlenstroth bei Gütersloh ein neues Zuhause fand. Die gute Zusammenarbeit der beiden Vereine der DKBM und der WEM hat nun dazu geführt, dass die Lok wieder den Weg in Ihre alte Heimat gefunden hat. In den kommenden Monaten soll nun durch eine Befundung der notwendige Aufwand zur betriebsfähigen Aufarbeitung ermittelt werden. Für die Instandsetzung selbst ist der Verein auf eine breite Unterstützung angewiesen, weshalb eine spezielle Spendenaktion ins Leben gerufen wurde.

Als rollfähige Ausstellungsstücke bereichern heute zwei B-gekuppelte Feldbahndampfloks den Museumspark der WEM. Es handelt sich dabei um die Lok Nr. 5 des ehemaligen Schotterwerkes Dubring und um eine Jung-Lok vom Typ „Hilax“, welche früher in einem Schotterwerk bei Bernbruch im Einsatz war. Die Gründe für den Erwerb dieser Lokomotiven bestehen in der Nähe zu ihren ursprünglichen Einsatzorten und in der Tatsache, dass in Anschlussbetrieben der WEM ebenfalls baugleiche bzw. ähnliche Fabrikate im Dienst standen.

Lokomotive 99 3312 „Diana“

Zeichnung 99 3312Lok 99 3312Lok 99 3312 Diana

Lebenslauf der Lok 99 3312:

1912   Bau der Lok bei der Firma Borsig in Berlin-Tegel mit der Fabriknummer 8472
30.08.1912   Abnahmeprüfung
21.10.1912   Ablieferung an die Waldeisenbahn Muskau, sie war die vierte Lok der WEM und erhielt den Namen „DIANA“
1912-1977   Einsatz der Lok auf der Waldeisenbahn Muskau
1951   Mit der Übernahme durch die Deutsche Reichsbahn erhielt sie die Nummer 99 3312
14.10.1977   Letzter Einsatz bei der WEM
1978   Aufstellung als technisches Denkmal in der Gemeinde Oberoderwitz in der Oberlausitz
15.01.1994   Rückführung als Traditionslok auf die Reststrecke der WEM, danach erfolgte die äußere Aufarbeitung durch den Waldeisenbahn Muskau e.V.
20.10.1997   Überführung in das Ausbesserungswerk Meiningen der DB AG zur Hauptuntersuchung (L7)
02.07.1998   Fertigstellung der Maschine und Rücktransport nach Weißwasser als zweite betriebsfähige WEM-Dampflok

technische Daten der Lok 99 3312:

Hersteller Borsig Rahmen außen
Fabriknummer 8472 Raddurchmesser 600 mm
Baujahr 1912 Achsstand 2400 mm
Spurweite 600 mm Bremsbauart Wurfhebel
Bauart Dn2 t Zylinderdurchmesser 240 mm
Gattung K 44.3 Kolbenhub 300 mm
Geschwindigkeit 25 km/h Steuerung Heusinger
Leermasse 10,5 t Schieberbauart Flachschieber
Dienstmasse 13,2 t Betriebsdruck 12 bar
Wasservorrat 1,5 m³ Sicherheitsventile Ackermann
Leistung ca. 75 PS Feuerbüchsmaterial Stahl
Länge über Puffer 5895 mm Verdampfungsheizfläche 23,6 m²
Höhe über SO 2950 mm Rostfläche 0,45 m²
Breite 1885 mm    

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Brigadelokomotive 99 3315

Zeichnung 99 3317993315g13_10_04_5678

Lebenslauf der Lok 99 3315:

1917   Bau der Lok bei der Firma Henschel in Kassel mit der Fabriknummer 15307
ab 1917   Einsatz bei den Deutschen Heeresfeldbahnen als HF 1547
1918   Demobilisierungslager
1942   Verkauf an die Gräflich von Arnimsche Kleinbahn (spätere WEM)
31.05.1977   Letzter Einsatz auf der WEM (Lok besitzt noch eine Hohlachse)
10.10.1977   Verkauf an die Dampfkleinbahn Mühlenstroth, dort im Einsatz als “Richard Roosen”
2008   Letzter Einsatz bei der DKBM
04.10.2013   Verkauf an den Verein Waldeisenbahn Muskau e.V.

technische Daten der Lok 99 3315:

Hersteller Henschel Rahmen außen
Fabriknummer 15307 Raddurchmesser 600 mm
Baujahr 1917 Achsstand 2260 mm
Spurweite 600 mm Bremsbauart Wurfhebel
Bauart Dn2 t Zylinderdurchmesser 240 mm
Gattung K 44.3 Kolbenhub 240 mm
V max 25 km/h Steuerung Stephenson
Leermasse 10,2 t Schieberbauart Flachschieber
Dienstmasse 12,0 t Betriebsdruck 15 bar
Wasservorrat 1,1 m³ Sicherheitsventile Ackermann
Leistung ca. 75 PS Feuerbüchsmaterial Stahl
Länge über Puffer 5980 mm Verdampfungsheizfläche 18,1 m²
Höhe über SO 2800 mm Rostfläche 0,42 m²
Breite 1880 mm    

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Brigadelokomotive 99 3317

Zeichnung 99 3317 Lok 99 3317Brigadelok 99 3317

Lebenslauf der Lok 99 3317:

1918   Bau der Lok bei der Firma Borsig in Berlin-Tegel mit der Fabriknummer 10306
22.05.1918   Ablieferung durch Borsig an den Eisenbahnersatzpark der Deutschen Heeresfeldbahnen als HF 1914
ab 1919   Einsatz auf den Waldbahnen Ostpolens als PKP 4241, danach als K 4-448 in Litauen
1944/45   Rückführung als Beutelok nach Deutschland
ab 1948   Übernahme durch das Braunkohlewerk „Frieden“, Weißwasser
10.06.1952   Verkauf an die WEM, Aufarbeitung im RAW Wittenberge (L4) und Einbau einer Stahlfeuerbüchse, Einsatz als 99 3317
1965-1969   Betriebsfähige Reservelok
1973   Letzte Ausbesserung der Schadgruppe L4
13.01.1977   Letzter Einsatz bei der WEM
26.05.1979   Aufstellung als technisches Denkmal an der Muskauer Straße in Weißwasser
03.03.1990   Überführung als Traditionslok auf die Reststrecke der WEM, danach erfolgte die äußere Aufarbeitung durch den Waldeisenbahn Muskau e.V.
03.09.1993   Überführung der Maschine in das RAW Görlitz und Beginn der betriebsfähigen Aufarbeitung (Schadgruppe L7)
28.07.1995   Übergabe der fertig gestellten Maschine und Rücktransport nach Weißwasser
07.08.1995   Zulassung der Maschine nach Lastprobefahrt
2004   Hauptuntersuchung durch den Waldeisenbahn Muskau e.V. in Zusammenarbeit mit dem Dampflokwerk Meiningen

technische Daten der Lok 99 3317:

Hersteller Borsig Rahmen außen
Fabriknummer 10306 Raddurchmesser 600 mm
Baujahr 1918 Achsstand 2260 mm
Spurweite 600 mm Bremsbauart Wurfhebel
Bauart Dn2 t Zylinderdurchmesser 240 mm
Gattung K 44.3 Kolbenhub 240 mm
V max 25 km/h Steuerung Stephenson
Leermasse 10,2 t Schieberbauart Flachschieber
Dienstmasse 12,0 t Betriebsdruck 15 bar
Wasservorrat 1,1 m³ Sicherheitsventile Ackermann
Leistung ca. 75 PS Feuerbüchsmaterial Stahl
Länge über Puffer 5980 mm Verdampfungsheizfläche 18,1 m²
Höhe über SO 2800 mm Rostfläche 0,42 m²
Breite 1880 mm    

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Lokomotive „Hilax“

fz_hilaxLok "Hilax"Lok Hilax

Lebenslauf der Lok Hilax:

1938   Ablieferung durch die Firma Jung (Jungenthal) mit der Fabriknummer 8293 (2. Serie der Typenklasse „Hilax“) an die Erich Brangsch GmbH Klein- und Feldbahnen, Leipzig-Engelsdorf. Es erfolgte dann der Verkauf an die Carl Halbach KG in Dresden, die in Bernbruch bei Kamenz einen Steinbruch betrieb.
1976   Abgabe an die Pioniereisenbahn Gera, wo sie allerdings nie zum Einsatz kam. Die gesamte Zeit war sie als Ausstellungsstück unter freiem Himmel abgestellt.
09.03.1998   Erwerb der Maschine durch die WEM und Überführung nach Weißwasser, anschließend rollfähige Aufarbeitung und Konservierung.

technische Daten der Lok Hilax:

Hersteller Jung Rahmen innen
Fabriknummer 8293 Raddurchmesser 630 mm
Baujahr 1938 Achsstand 1300 mm
Spurweite 600 mm Bremsbauart Wurfhebel
Bauart Bn2 t Zylinderdurchmesser 240 mm
Gattung K 22.5 Kolbenhub 300 mm
V max 18 km/h Steuerung Heusinger
Leermasse 8,8 t Schieberbauart Flachschieber
Dienstmasse 11,2 t Betriebsdruck 12 bar
Wasservorrat 0,8 m³ Sicherheitsventile Coale
Leistung ca. 65 PS Feuerbüchsmaterial Kupfer
Länge über Puffer 5790 mm Verdampfungsheizfläche 21,4 m²
Höhe über SO 2900 mm Rostfläche 0,47 m²
Breite 1830 mm    

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Lokomotive Nr. 5

Zeichnung Lok Nr.5Lok Nr. 5Lok Nr. 5

Lebenslauf der Lok Nr. 5:

1928   Ablieferung durch Borsig unter der Fabriknummer 11918 an die Steinwerke Dubring GmbH, Dubring (bei Hoyerswerda), Einsatz als Lok Nr. 5. Neben mehreren anderen Dampfloks befanden sich bei dieser Bahn vier weitere baugleiche Maschinen.
ca. 1970   Letzter Einsatz
1973   Äußere Aufarbeitung der Lok im Bahnbetriebswerk Hoyerswerda und Überführung in das Museum der Stadt.
10.10.1989   Übernahme der Lok durch den Waldeisenbahn Muskau e.V. Es folgte die rollfähige Aufarbeitung in Weißwasser.

technische Daten der Lok Nr. 5:

Hersteller Borsig Rahmen innen
Fabriknummer 11918 Raddurchmesser 600 mm
Baujahr 1928 Achsstand 1200 mm
Spurweite 600 mm Bremsbauart Wurfhebel
Bauart Bn2 t Zylinderdurchmesser 210 mm
Gattung K 22.5 Kolbenhub 300 mm
V max 15 km/h Steuerung Heusinger
Leermasse 6,9 t Schieberbauart Flachschieber
Dienstmasse 8,8 t Betriebsdruck 12 bar
Wasservorrat 0,7 m³ Sicherheitsventile Coale
Leistung ca. 50 PS Feuerbüchsmaterial Kupfer
Länge über Puffer 5800 mm Verdampfungsheizfläche 18,2 m²
Höhe über SO 3150 mm Rostfläche 0,40 m²
Breite 2210 mm    

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