Der Verein WEM e.V.

Historie des Vereins

Als die Waldeisenbahn Muskau 1978 ihren Fahrbetrieb einstellte, war eigentlich das Ende der letzten 600-mm-Bahn der DR gekommen. Waldeisenbahnfreunde aus der Region hatten sich aber bereits seit Anfang der siebziger Jahre mit dem Fotografieren und Dokumentieren der Bahn befasst. Ihre Bestrebungen, die Bahn bzw. Teile davon zu erhalten, blieben jedoch vorerst ohne Erfolg. Nur die Strecke zwischen der Tongrube Mühlrose und der Ziegelei Weißwasser blieb als Werkbahn bestehen, da der Kraftverkehr diese Leistungen nicht übernehmen konnte. Eine im Jahr 1981 organisierte Sonderfahrt ließ neue Hoffnung aufkommen und so machten die Eisenbahnfreunde den Versuch, wenigstens das zu erhalten, was noch da war.

Mit der Unterstützung der Betriebsleitung der Ziegelei Weißwasser begann eine Handvoll Waldbahnbegeisterte 1984 mit der zielgerichteten und organisierten Arbeit. Zuerst bildete sich eine Arbeitsgruppe in der Weißwasseraner Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Modelleisenbahnerverbandes der DDR. Mit steigender Mitgliederzahl wurde es dann eine eigenständige Arbeitsgemeinschaft, die mit Zustimmung der Deutschen Reichsbahn den Namen “Waldeisenbahn Muskau” führte. Mit dem gleichen Namen erfolgte dann auch die Eintragung des aus der AG hervorgegangenen Vereines am 6. Mai 1991 in das Vereinsregister.

In den ersten Jahren galt es, noch vorhandenes Material, vorrangig in den ehemaligen Anschlussbetrieben der Waldbahn, zu bergen. Als Untermieter in der Ziegelei Weißwasser hatte man hier ein eigenes Gleis und konnte so Fahrzeuge abstellen und Material lagern. Offizielle Sonderfahrten wurden erstmals 1985 zu den Anlässen “90 Jahre WEM” und “50 Jahre Stadtrecht Weißwasser” durchgeführt. Ein ganz besonderer Höhepunkt war 1986 der erste Dampflokeinsatz nach der Betriebseinstellung.

Mit etwa 10 Fahrtagen waren die Fahrpläne der ersten Jahre noch recht bescheiden. Die Sonderfahrten bedurften immer eines großen Aufwandes. Da mussten die Wagen, in denen vorher noch Ton transportiert wurde, gründlich gereinigt werden und von verschiedenen Stellen der Stadt wurden die notwendigen Sitzbänke herangeholt und nach der Fahrt wieder verteilt. So dauerten die Vor- und Nacharbeiten oftmals länger, als das Ereignis selbst.

Der Wiederaufbau der Strecke nach Kromlau hatte sich bereits in den ersten Jahren in den Gedanken der Vereinsmitglieder festgesetzt und so entstand auf dem Papier das entsprechende Projekt. Mit diesen Papieren wurde der Verein 1990 beim Landrat und beim Bürgermeister der Stadt Weißwasser vorstellig. Die von beiden Seiten zugesagte Unterstützung aktivierte die Vereinsarbeit. Hatte man anfangs an eine ABM-Maßnahme mit etwa 5 Beschäftigten unter Regie des Vereines gedacht, erwies sich dieser Rahmen bald als zu klein für das Vorhaben. So entstand eine ABM-Maßnahme in Trägerschaft des Landratsamtes Weißwassser, die die entscheidenden Fortschritte beim Wiederaufbau brachte.

 

Personelles und Administratives

Mitglied im WEM e.V. kann jeder werden, der sich für diese einmalige Schmalspurbahn interessiert. Der Verein besteht heute aus 68 Mitgliedern, von denen etwa 50% aktiv tätig sind. Die ortsansässigen Vereinsmitglieder sind zahlenmäßig in der Unterzahl. Die Mehrheit muss größere Entfernungen zur Anreise hinter sich bringen. Für diese aktiven Mitglieder kann der Verein eigene Übernachtungsmöglichkeiten mit modernen sozialen Bedingungen im Vereinsgebäude Zechenhaus Jahnstraße 2a in Weißwasser anbieten.

Geführt wird der Verein durch den fünfköpfigen Vorstand:

  Olaf Urban Vorsitzender
  Friedemann Tischer Stellv. Vorsitzender
  Kerstin Haenelt Kassenwart
  Wilfried Haenelt  
  Uwe Schuster  

Die offizielle Anschrift lautet:

  Waldeisenbahn Muskau e. V.
  Lessingstraße 8
  02943 Weißwasser

Der WEM e.V. ist vom Finanzamt Görlitz als gemeinnützig anerkannt und berechtigt, bei Spenden entsprechende Bestätigungen auszustellen.

Die Jahreshauptversammlung findet jeweils im November statt. Zu den Höhepunkten des Vereinslebens gehören auch der jährliche große Ausflug zu kulturell und eisenbahntechnisch interessanten Zielen, sowie Fahrradtouren, wobei die unterstützenden Familienmitglieder aktiv ins Vereinsleben einbezogen werden.

Heute ist der Verein Mitgesellschafter in der im Februar 1993 gegründeten Gesellschaft zur Betreibung der Waldeisenbahn Muskau mbH. Diese Gesellschaft realisiert in erster Linie den touristischen Fahrbetrieb, während sich der Verein mehr der historischen Seite verpflichtet fühlt, wobei übergreifende Aktivitäten im Interesse der Bahn sind.

 

Aufgaben des Vereins

Die Vereinsmitglieder beteiligen sich am öffentlichen Fahrbetrieb vorrangig an den Dampffahrtagen, organisieren und betreuen Sonderfahrten für Eisenbahnfreunde und kümmern sich um die betriebsfähige Aufarbeitung sowie Instandhaltung der denkmalgeschützten Fahrzeuge. Dabei wird die Erhaltung möglichst im Originalzustand der Zeit um 1970 angestrebt. Die entsprechenden Werkstattkapazitäten stehen dafür in ausreichender Form zur Verfügung. Eine Qualifizierung für spezielle Dienstposten des Fahrbetriebes und der Fahrzeugunterhaltung wird den Mitgliedern im Rahmen der Vereinsarbeit ermöglicht.

Die Unterhaltung der Mühlroser Strecke und deren Betrieb ist Bestandteil der Vereinsarbeit. Hierzu und für andere größere Projekte wird monatlich am 3. Wochenende ein zentraler Arbeiteinsatz durchgeführt. Regelmäßig wöchentlich treffen sich die aktiven Vereinsmitglieder donnerstags ab 16:00 Uhr und samstags ab 10:00 Uhr zu den laufenden Arbeiten. (Eine vorherige Anmeldung ist wünschenswert.)

Der Fahrzeugbestand des WEM e.V. umfasst gegenwärtig 5 Dampf- und 23 Diesellokomotiven, sowie 99 überwiegend originale Waldeisenbahnwagen. Mit den betriebsfähigen Dampflokomotiven 99 3312 “DIANA” und der Brigadelok 99 3317 hat der Verein zwei echte Schmuckstücke im Bestand. An ausgewählten Fahrtagen, meist das erste Wochenende im Monat, bespannen sie die Personenzüge zwischen Weißwasser und Kromlau bzw. Bad Muskau. Hinzu kommen Einsätze vor Sonderzügen und bei Plandampfveranstaltungen mit Güterzügen.

Ostern 2002 wurde nach mehrjähriger Bauzeit der Museumsbahnhof „Anlage Mitte“ eingeweiht. In unzähligen Arbeitsstunden bewiesen die Vereinsmitglieder ihr Geschick beim Umbau eines maroden Industriebauwerkes zu einer Lok- und Wagenhalle mit Waldbahnflair. Zu den Aufgaben gehören seitdem das Betreiben des Museums „Anlage Mitte“ mit Fahrzeug- und Sonderausstellungen zur Industriegeschichte der Region, Modellbahnausstellungen und Draisinenfahrten. Geöffnet ist der Museumsbahnhof an den Dampflokfahrtagen.

Seit Herbst 2009 ist ein Besucherinformationszentrum an das Museum angeschlossen und bietet wegen seiner Größe neue Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit und zur Veranschaulichung der regionalen und industriellen Geschichte, sowie der geologischen Besonderheit der Region „Muskauer Faltenbogen“. Weiterhin werden in einer Schauwerkstatt die Unterhaltungsarbeiten an den Fahrzeugen für die Besucher sichtbar gemacht.

Ende September 2013 kehrte die Brigadelok 99 3315 wieder zur WEM zurück. Sie gehörte viele Jahre zum Bestand der Dampf-Kleinbahn Mühlenstroth. Die betriebsfähige Aufarbeitung der Lok ist vorgesehen.

WEM e.V.

 
TraditionspflegeFahrbetriebErhaltung historischer FahrzeugeInstandhaltung der Mühlroser Strecke

Fahrten mit historischen GüterzügenMuseum und BesucherinformationszentrumVereinsdomizil ZechenhausVereinsausflug

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